Nelken in der Nacht

Ich kaufe ihr Nelken,
der Tankwart empfiehlt sie mir.
Er meint, sie lösen jedes Problem.
Als kenne er die meinen.

Sie ist die Mutter meiner Tochter,
doch sie bringt mich zum Schweigen.
Meine Wut über sie bringt mich um –
und macht, dass ich glücklich bin,

Das Haus ist dunkler als sonst,
die Nacht zermalmt jede Hoffnung.
Der Gang in den Keller
besiegelt die Erinnerung.

Fahles Licht, der graue Sessel
und das Tischchen daneben.
Ich bin schwach. Jeder weiß,
dass ich böse bin.

Ich sehe das Kind,
verstört ein Buch in der Hand.
Nichts verstehend vom Dunkel
einer menschlichen Seele.

Schritte im Finstern,
schleichend, Stufe für Stufe,
kommen sie herab.
Ich atme nicht mehr.

Eine Last erdrückt mich,
offenbaren kann ich mich nicht.
Keinem Freund, keinem Amt.
Kein Ausweg – für immer.

Da flackert das Licht,
mehr noch ihre Augen.
Lippen rot, ein Kleid statt Schürze.
Ihre Hand greift nach den Nelken.

"Weißt du, das sind Todesblüten!"
Als belehre mich mein Vater,
wie ein König seinen Knecht.
"Ihr Duft lässt jede Rose verblassen."

Sie steigt hinauf,
ich folge ihr.
Jede Stufe ein Schmerz,
die Vergangenheit ein Irrtum.

Dann sitzen wir am Tisch,
der Hunger triumphiert.
Und in der Mitte der Tafel
thronen die wissenden Nelken.

 

©Michael Kalters

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