2026 (7)

ein Frauengesicht hinter Glas

Sessel am Abend

Ein Sessel am Kamin. Am Feuer. Heiß. Eine Frau darin. Lässig Bein über Bein. In der Hand roter Wein, grüne Augen voller Stolz. Ich sitze gegenüber. Blicke gefangen. Seelenfeuer. Ungeplant der Abend. Im Sog der Gefühle. Schweigen. Mustern. Wippende Schuhe. Uhr schlägt. Lächeln. Wärme. Ein Band? Eine Frau am Kamin. Zu Hause angekommen. Hörprobe: Gedicht anhören zurück

eine Wendeltreppe im Freien

Endlose Treppen

Ein neuer Tag erwacht – und stirbt. Mit Schmerzen. Ich träumte von dir, als wärst du ein Engel. Die Sehnsucht frisst mich auf. Du ahnst davon nichts. Zeigst dich mir als Frau, die einen Fehler beging. Und dann wieder flüsterst du lachend in mein Ohr. Ich bin verwirrt und weiß nicht mehr, wer ich bin. Ich habe meine Mitte verloren. Schlimmer als tot. Eine Treppe zu dir mit unendlich vielen Stufen. Fühle Schmerz, fühle Gier. Fühle alles – zerrinnen. Du machst mich traurig – und erfüllst mich ganz. Treppen zu dir sind endlose Stufen in die Hölle. Ja. Ich gehe.

eine Mann im schwarzen Mantel im Wald

Der letzte Spaziergang

Wald. Grün. Mann im weiten Mantel. Schwarz. Tränen im Gesicht. Verloren im Wald. Verirrt zwischen Bäumen. Erste Blätter sterben im Gelb des Herbstes. Die Hose zerrissen das Herz eine Trommel. Stein in der Brust und trübe Gedanken. Er sucht Ruhe – findet den Dämon, der ihn plagt. Im Spiegel der Seele. Sein Schmerz brodelt, löst alles auf. Leute grüßen nichtsahnend und gehen vorbei. Sein Lauf endet, die Lunge sagt »Nein!« Schmerz kann töten. Wie er es jetzt tut … Hörprobe: Gedicht anhören zurück

eine Frau im Albtraum

Der Traum war heftig

Der Traum war heftig riss fast mein Herz und meine Seele in Stücke. Der Tag war zu angefüllt, zu voll mit Problemen. Nein, nicht der Tag! Du bist das Problem. Du dachtest, ich gehöre dir. Deine Reize eine Waffe? Aber eine Waffe tötet. Dein »Ich liebe dich« erstickt und meuchelt. Du bist das Problem – nicht mein Traum, der mich zerfleischen und fressen will. Ich bin ein Mensch – und du denkst, ich wäre nur der Traum von dir. Du bist das Problem du musst verschwinden. Deine Aura ist schlimmer als deine Wünsche. Hörprobe: Gedicht anhören zurück

eine Großstadt

Die Stadt

Ich kam in die Stadt, da schlugen mich die Häuser tot. Gewaltig glänzend glatt- sie haben mich bedroht. Die Stadt will nur morden, dennoch will jeder hin. Von allen Weltorten hat sie keinen Sinn. Leiber und Massen- zerfressen, allein- Geld verprassen oder obdachlos sein. Äußerlich mächtig, im Innern nur krank, ist sie so prächtig – zum Tode verdammt. Mit ihr gemeinsam zerfallen Moral, Gefühle und Ehre. Packt dich mit stählernen Krallen, als ob sie eine Göttin wäre. Heute Nacht wollt’ ich fliehn. Sie wirf ihre Seile. Bars und Lichter ziehen. »Okay, es hat keine Eile!« Hörprobe: Gedicht anhören zurück

ein Autor sitz in der nacht an einem Tisch am Fenster

Zwei Uhr nachts

Zwei Uhr nachts, ich sitze noch, ein Glas Wein und trübe Gedanken. Zwei Uhr nachts, ich lebe noch. Endlich Ruhe. Doch Dröhnen im Kopf. Zwei Uhr nachts, ein Hahn kräht. Explosion und Grabesstille. Zwei Uhr nachts, ein Universum öffnet sich. Worte füllen Seiten. Zwei Uhr nachts, rasendes Herz. Figuren leben. Werden Wirklichkeit. Finsternis quillt in mein Zimmer. Zeiger frieren ein. Sterben heute Nacht. Zwei Uhr nachts, und wirre Bilder. Fantasie gebannt. Zeilen fließen. Unerreichbar fern ist zwei Uhr nachts. Galle auf der Zunge und ein Zittern im Finger. Zwei Uhr nachts. Roter Mond und Schattenwolken. Ungehörte Schreie. Hörprobe: Gedicht anhören…

eine Bar mit Gästen, im Vordergrund rothaarige Frau

In der Bar

Es ist Nacht. Nicht nur in mir. Ich sitze allein in einer Bar. Die Laternen brennen, doch in mir kein Licht. Die Bar umschmeichelt mich, versteht alles. Eine Lektion, die ich lernen muss. Um mich: sinnloses Lachen, das Schweigen verdeckt. Neben mir – eine Frau mit roten Haaren. Zu gewöhnlich für ein Abenteuer. Doch wenig später kennen wir uns, mögen uns, sterben füreinander. Die Bar in der Nacht verschlingt meine Seele. Gläser an der Wand, Burton im Glas. Verloren in der Masse, in den Hilferufen einsamer Gestalten. Nur du in meinen Armen, ich an deinem Gesicht. Bis die Sonne zögernd,…

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